Rezension
Rezension von
Horst K, Rezensent*in
"Verirrt" von Nika Michaelis
Es ist wohl die Zeit, sich in Thrillern und Krimis mit psychologischen Leiden auseinanderzusetzen. Im letzten halben Jahr habe ich drei neue Bücher gelesen, in denen es um die Dissoziative Persönlichkeitsstörung, kurz DIS geht. Im Buch "Ausgeschämt!" von Marco Toccato (der dritte Titel ist mir leider entfallen) spielen darüber hinaus auch ein Zwillingspaar eine Rolle, genau wie in "Verirrt".
Das was landläufig und falsch auch als "Multiple Persönlichkeit" bezeichnet wird, ist für Autorinnen und Autoren eine reizvolle Sache. Kurz gesagt schützt sich im Falle von DIS die menschliche Psyche vor starken Traumata dadurch, dass sich einer ihrer Bereiche um das jeweilige Trauma "kümmert", indem diese abgetrennten Bereiche eigene Persönlichkeiten werden, die nichts von anderen Bereichen im selben Menschen "wissen" und nicht mit ihnen kommunizieren. Dadurch bleibt die "Grundpsyche" verschont von der schwierigen Traumaverarbeitung, sie "weiß" ja nichts von dem/n anderen Bereich/en und der zugehörige Mensch wirkt völlig normal auf seine Umwelt. Doch weitere Ereignisse können dazu führen, dass einer dieser "Traumabereiche" zur führenden Psyche der betroffenen Person wird. So wird aus einem lammfrommen Familienvater unter Umständen ein rachelüsterner, schwer gestörter Killer, ohne dass "beide" voneinander wissen.
Wenn das nicht Stoff für Thriller und Krimis ist, was dann?
Nika Michaelis macht die Krankheit zur Grundlage ihrer Geschichte, diese und noch einige andere bekommt man erklärt, denn eine geschlossene psychiatrische Abteilung einer Privatklinik sind Teil des Spielfelds. An Personal wird nicht gespart: Da ist die Leiterin der Psychatrieklinik Dr. Silvia Rufius und ihre rechte Hand in der Klinik und im Privatleben, ein jüngerer, gutaussehender Mann, dessen Dissertation sie wesentlich mitgestaltet hat namens Dr. Thomas Gellert. Dann gibt es Familien, deren Töchter auf der Opferseite beteiligt sind. Das erste Opfer ist aus ursprünglich reichem Haus. Sie wird in einer Badewanne gefunden mit einer rothaarigen Perücke, in eine weiße Bluse und Hose aus früheren Jahren gekleidet und auf dem Nachttisch neben der Wanne liegen Brustimplantate, die dem Mädchen entnommen worden sind.
Ein zweites Mädchen ebenfalls mit vergrößerten Brüsten verschwindet. Sie war genau wie das erste Opfer zeitweise Patientin der Klinik. Carmen Kollinger ermittelt. Sie ist im Moment allein mit ihrem hyperintelligent Sohn Linus. Ihr Mann ist ausgezogen, um eine Auszeit von ihr zu nehmen. Carmen ist eine sehr sympathische Protagonistin und die Rolle von Linus wird im Verlaufe des Buches immer wichtiger.
Die Geschichte ist spannend und man legt das Buch zwischendurch nur ungern aus der Hand. Was mich gestört hat, war das Bemühen der Autorin "gewählte" und mit Fremdworten durchsetzte Sprache zu produzieren. Da kommt es manchmal zu Passagen, die einen aus der Trance des Lesens zerren, weil man von den gewählten Worten überrascht wird. Einmal musste ich schmunzeln, als Frau Dr. Rufius von einem "archaischen Akt" bezogen auf das Herausschneiden der Brustimplantate sprach. Für mich bedeutet "archaisch", sich gemäß uralter Weise aus grauer Vorzeit z. B. Steinzeit zu verhalten und das deckt sich nicht so ganz mit der Historie der Brustimplantate.
Es ist wohl die Zeit, sich in Thrillern und Krimis mit psychologischen Leiden auseinanderzusetzen. Im letzten halben Jahr habe ich drei neue Bücher gelesen, in denen es um die Dissoziative Persönlichkeitsstörung, kurz DIS geht. Im Buch "Ausgeschämt!" von Marco Toccato (der dritte Titel ist mir leider entfallen) spielen darüber hinaus auch ein Zwillingspaar eine Rolle, genau wie in "Verirrt".
Das was landläufig und falsch auch als "Multiple Persönlichkeit" bezeichnet wird, ist für Autorinnen und Autoren eine reizvolle Sache. Kurz gesagt schützt sich im Falle von DIS die menschliche Psyche vor starken Traumata dadurch, dass sich einer ihrer Bereiche um das jeweilige Trauma "kümmert", indem diese abgetrennten Bereiche eigene Persönlichkeiten werden, die nichts von anderen Bereichen im selben Menschen "wissen" und nicht mit ihnen kommunizieren. Dadurch bleibt die "Grundpsyche" verschont von der schwierigen Traumaverarbeitung, sie "weiß" ja nichts von dem/n anderen Bereich/en und der zugehörige Mensch wirkt völlig normal auf seine Umwelt. Doch weitere Ereignisse können dazu führen, dass einer dieser "Traumabereiche" zur führenden Psyche der betroffenen Person wird. So wird aus einem lammfrommen Familienvater unter Umständen ein rachelüsterner, schwer gestörter Killer, ohne dass "beide" voneinander wissen.
Wenn das nicht Stoff für Thriller und Krimis ist, was dann?
Nika Michaelis macht die Krankheit zur Grundlage ihrer Geschichte, diese und noch einige andere bekommt man erklärt, denn eine geschlossene psychiatrische Abteilung einer Privatklinik sind Teil des Spielfelds. An Personal wird nicht gespart: Da ist die Leiterin der Psychatrieklinik Dr. Silvia Rufius und ihre rechte Hand in der Klinik und im Privatleben, ein jüngerer, gutaussehender Mann, dessen Dissertation sie wesentlich mitgestaltet hat namens Dr. Thomas Gellert. Dann gibt es Familien, deren Töchter auf der Opferseite beteiligt sind. Das erste Opfer ist aus ursprünglich reichem Haus. Sie wird in einer Badewanne gefunden mit einer rothaarigen Perücke, in eine weiße Bluse und Hose aus früheren Jahren gekleidet und auf dem Nachttisch neben der Wanne liegen Brustimplantate, die dem Mädchen entnommen worden sind.
Ein zweites Mädchen ebenfalls mit vergrößerten Brüsten verschwindet. Sie war genau wie das erste Opfer zeitweise Patientin der Klinik. Carmen Kollinger ermittelt. Sie ist im Moment allein mit ihrem hyperintelligent Sohn Linus. Ihr Mann ist ausgezogen, um eine Auszeit von ihr zu nehmen. Carmen ist eine sehr sympathische Protagonistin und die Rolle von Linus wird im Verlaufe des Buches immer wichtiger.
Die Geschichte ist spannend und man legt das Buch zwischendurch nur ungern aus der Hand. Was mich gestört hat, war das Bemühen der Autorin "gewählte" und mit Fremdworten durchsetzte Sprache zu produzieren. Da kommt es manchmal zu Passagen, die einen aus der Trance des Lesens zerren, weil man von den gewählten Worten überrascht wird. Einmal musste ich schmunzeln, als Frau Dr. Rufius von einem "archaischen Akt" bezogen auf das Herausschneiden der Brustimplantate sprach. Für mich bedeutet "archaisch", sich gemäß uralter Weise aus grauer Vorzeit z. B. Steinzeit zu verhalten und das deckt sich nicht so ganz mit der Historie der Brustimplantate.